Was ist Kendo?
Ursprung des Kendo ist Kenjutsu, die "Kriegskunst des Schwertes". Kenjutsu ist die Art des Schwertkampfes, wie sie von den Samurai ausgeführt wurde und hatte das Überwinden des Gegners mittels des Schwertes zum Ziel. Der Gegner sollte im Kampf besiegt und zumeist getötet werden.
Kendo, der "Weg des Schwertes", ist die Weiterentwicklung aus der Kampftechnik zur Trainingsmethode. Der Begriff Do ( = Weg) bezeichnet eine philosophische Einstellung und wird für eine Art des Trainings verwendet, das eher von ritualisierten Bewegungsabläufen geprägt und auf die Vervollkommnung der Technik, sowie die Erreichung der Harmonie zwischen Körper und Geist ausgerichtet ist.

Kendo wird selbstverständlich nicht mit scharfen Schwertern ausgeführt. Beim Kendo wird mit einem Bambusschwert, dem Shinai, gekämpft, welches jedoch ebenso geachtet werden sollte wie das Schwert. Die Trefferflächen sind genau festgelegt und durch Rüstung (Bogu) geschützt, um Verletzungen zu vermeiden. Das Shinai hat je nach Alter und Geschlecht des Kämpfers eine unterschiedliche Länge und ein unterschiedliches Gewicht (für Wettkämpfe gibt es hierfür Regeln). Die Rüstung besteht aus einem Kopfschutz (Men), einem Körperschutz (Do), Handschuhen (Kote) und einem Unterleibsschutz (Tare), der Bauch und Hüfte schützen soll. (siehe: Ausrüstung)
In der Kata (Übungsform) wird das Bokuto, das Holzschwert, verwendet. Die Kata ist eine Abfolge von festgelegten Bewegungsabläufen, die Angriffs- und Verteidigungstechniken einüben und in ihrem harmonischen Bewegungsablauf vervollkommnen sollen. Die Techniken werden langsam und konzentriert ausgeführt. Die Perfektion der Bewegung ermöglicht es, diese im Kampf schnell und kontrolliert auszuführen.
Das Kendo-Training ist hart und erfordert große Disziplin. Verhaltensmaßregeln (Reigi / Reiho) und Disziplin sind ein wichtiger Bestandteil dieser Kampfkunst und sollten streng beachtet werden. Ein guter Kendoka zu sein bedeutet mehr, als nur gut kämpfen zu können.
Das japanische Kultusministerium, das Kendo als Leibeserziehung betrachtet, legt die heute relevanten Eigenschaften des Kendo in den von ihm veröffentlichten "Richtlinien für Kendo an Schulen" wie folgt fest:
1. Zur physischen Entwicklung
a) Entwicklung der Körperkraft einschließlich Schnelligkeit und Gelenkigkeit
b) Erlangung einer korrekten Körperhaltung
2. Entwicklung des sozialen Verhaltens
a) Förderung der Aufmerksamkeit und Entschlußfähigkeit
b) Entwicklung des Verantwortungsbewußtseins und der Selbständigkeit
c) Achtung des Mitmenschen bei gleichzeitiger Würdigung des Zeremoniellen
3. Pflege der Gesundheit im Sinne einer Vorbeugung
Kendo wird darüber hinaus auch den rein sportlichen Zielen gerecht. Der Ehrgeiz, den man in das Erlernen der Techniken dieser Sportart investiert, orientiert sich zwar an erster Stelle am Sieg; parallel dazu wird jedoch dessen Sinn vielschichtig ergründet und reflektiert. Ist das Training als solches auch voller Mühe und strapaziös, so ist die durch die Vervollkommnung erzielte Freude der Mühe reicher Lohn.
Kendo ist eine Kunst, die die geistige und körperliche Fitness fördert und den Charakter stärkt. Ziel ist die Erlangung von Harmonie zwischen Körper und Geist.
Quelle: Kendo - Lehrbuch des japanischen Schwertkampfes, 11. Auflage, Weinmann, Berlin, 1998
